Den Schutz der Kinder an erste Stelle setzen

Die Neurobiologin Frau Prof. Dr. Dr. Teuchert-Noodt zu Gast bei MdL Thomas Marwein im Landtag

„Die digitale Revolution verbaut unseren Kindern die Zukunft“, schreibt Frau Prof. Dr. Dr. Gertraud Teuchert-Noodt in einer Ausgabe der Zeitschrift „Umwelt Medizin Gesellschaft“. Die Neurobiologin weiß, wovon sie spricht: sie erforscht, wie sich digitale Medien auf das Gehirn von Kindern auswirken. Die Erkenntnisse, die sie dabei gewonnen hat, bereiten ihr große Sorgen.

Auf Einladung des Grünen Landtagsabgeordneten Thomas Marwein MdL hat die emeritierte Professorin einen Teil ihrer Forschungsergebnisse gestern in Stuttgart vorgestellt. Beinahe 80 Ärztinnen und Ärzte, Wissenschaftler/innen sowie Vertreter/innen von Ministerien, Krankenkassen, Verbänden und Organisationen waren der Einladung gefolgt. Sie hörten, wie bei der Nutzung digitaler Medien Belohnungssysteme im Hirn aktiviert werden, und dass dadurch bereits in jungen Jahren Suchtkreisläufe entstehen können.

Frau Teuchert-Noodt betonte, dass die Hirnentwicklung erst im Alter von ungefähr 18 Jahren abgeschlossen sei. Um das Gehirn wie von der Natur vorgesehen reifen zu lassen, müssen Kinder sich bewegen und die Welt „mit Händen und Füßen“ entdecken, erklärte sie. Verbrächten Kinder zu viel Zeit mit digitalen Medien, könne so die Hirnentwicklung gestört werden. Außerdem werde das junge Gehirn von den optischen Reizen auf den Bildschirmen überfordert. Dies könne wiederum zu Lern- und Entwicklungsstörungen führen, die sich unter anderem in schlechteren schulischen Leistungen äußerten, berichtete die Hirnforscherin. Sie empfahl, digitale Medien aus Grundschulen gänzlich fernzuhalten und Fächer wie Programmieren erst ab der 7. Klassenstufe zu unterrichten.

Nach dem Vortrag konnten die Zuhörer Fragen stellen und von ihren eigenen Erfahrungen mit dem Thema berichten. Ein Kinderarzt erzählte von dem neuen Phänomen „ISO“, bei dem „Internetsucht, Schulverweigerung und Obesitas, also extreme Fettleibigkeit“ gemeinsam auftreten. Er bestätigte damit, dass er als Arzt die Mediensucht bei Heranwachsenden auch in der Praxis erlebt.

Zum Thema der digitalen Medien in Grundschulen merkte ein Wissenschaftler an: „Studien wie die BLIKK-Studie der Bundesregierung 2017 bestätigen, dass viele Schüler/innen bereits heute große Probleme in der Schule haben.“ Eine weitere Teilnehmerin erinnerte daran, dass die Mitarbeiter in den großen Internetkonzernen der USA im Silicon Valley ihre Kinder auf Schulen schicken, in denen sie keinerlei digitale Medien nutzen.

„Diese Forschungsergebnisse müssen wir unbedingt ernst nehmen und weiter verfolgen“, bemerkte Thomas Marwein MdL am Rande der Veranstaltung und fügte hinzu: „An oberster Stelle muss der Schutz und die freie, altersgerechte Entwicklung unserer Kinder stehen. Solange die Unbedenklichkeit digitaler Medien für Grundschüler/innen nicht bewiesen ist, müssen wir davon absehen, sie in dieser Altersstufe einzusetzen.“