Nicht jeder ist gleich gut gerüstet

Mobilfunkbetreiber warnen Schwangere davor, Handys direkt am Körper zu nutzen. Auch andere gesunde Erwachsene sollen das Handy immer einige Zentimeter vom Körper entfernt lassen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stellt elektromagnetische Strahlung auf eine Stufe mit Chloroform, Schiffsdiesel und den Abgasen von Benzinmotoren in die Kategorie „möglicherweise krebserregend“.

Diese und weitere Erkenntnisse hören die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Arbeitstreffens mit Umweltmediziner/innen am 5. Juli 2017 im Landtag von Baden-Württemberg. Im Sitzungssaal der Grünen Fraktion haben sie sich bereits zum siebten Mal getroffen, um über die Risiken von Mobilfunk und WLAN sowie über alternative Technologien zu sprechen. Die Ärztinnen und Ärzte sind aus ganz Baden-Württemberg angereist, aber auch Wissenschaftler sowie Vertreter/innen von Ministerien, Krankenkassen, Verbänden und Organisationen sind vor Ort. Eingeladen hat sie Thomas Marwein, Abgeordneter der Grünen im Landtag.

„Die Gesundheit der Menschen ist mir ein wichtiges Anliegen“, sagt MdL Marwein, „deshalb veranstalte ich regelmäßig dieses Arbeitstreffen.“ Weiter betont er: „Die Digitalisierung ist in vielen Bereichen entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland. Gerade deshalb ist es unabdingbar, dass wir die verwendeten Technologien genau beobachten. Wenn eine Technologie den Menschen schadet, müssen wir unbedenkliche Alternativen finden oder die Belastung so weit wie möglich reduzieren.“

Neben der aktuellen Forschungslage ist diesmal die Elektrohypersensitivität das eigentliche Hauptthema des Treffens. Hierfür ist Herr Dr. med. Kurt E. Müller aus Kempten angereist, der über dieses Phänomen berichtet. Ungefähr die Hälfte der heute in unserer Umwelt existierenden Strahlungsarten habe vor einigen Jahrzehnten noch nicht existiert, erläutert er. Sie wurde erst durch den Menschen entwickelt. „Wir sind gegenüber den Einflüssen aus unserer Umwelt nicht gleich ausgerüstet“, bemerkt Dr. med. Müller. Deshalb spüren manche Menschen keine Auswirkungen von Handys, WLAN etc., während einige so stark darunter leiden, dass ihnen ein normales Leben in unserer Zivilisation nicht mehr möglich ist. Sie leiden dann unter Elektrohypersensitivität. Da diese Überempfindlichkeit gegen elektromagnetische Strahlung jedoch bis heute nicht als Krankheit anerkannt ist, ist es sehr schwer für diese Menschen, Hilfe zu finden. Dies möchten die Anwesenden ändern.

Auf dem Feld der Elektrohypersensitivität, aber auch im Bereich der Forschung zur elektromagnetischen Strahlung gibt es noch viel zu tun. Deshalb werden sich die Teilnehmer/innen auch weiterhin regelmäßig im Landtag von Baden-Württemberg treffen.

Die Präsentationen der beiden Redner finden Sie hier:

Dr. med. Kurt E Müller: „Sensitivität gegenüber elektromagnetischen Feldern – eine neue Multisystemerkrankung“

Peter Hensinger (Diagnose Funk): „Nichtionisierende Strahlung / Mobilfunk – Neue Forschungsergebnisse“